Der Wanderer - Erkenntnisse aus der Wissenschaft
Wie ist er eigentlich so, der deutsche Wanderer? Warum geht er wandern, welche Wege geht er und wen nimmt er auf seinen Wanderungen mit?
Keiner kann diese und ähnliche Fragen wohl besser beantworten als der „deutsche Wanderpapst“ Dr. Rainer Brämer, der seit Anfang der 90er Jahre den deutschen Wanderer schon aus allen möglichen Perspektiven analysiert hat. Die Ergebnisse seiner zahlreichen Studien findet man auf www.wanderforschung.de
Einen kleinen Einblick in einige seiner interessantesten Forschungsergebnisse bekommen Sie hier:
- Die allermeisten deutschen Wanderer bevorzugen Tages- oder Halbtagestouren. Nur sehr wenige wandern mehrere Tage am Stück.
- Rundwanderungen sind wesentlich beliebter als Streckenwanderungen. Streckenwanderungen werden vor allem dort angenommen, wo öffentliche Verkehrsmittel den Wanderer wieder zum Ausgangspunkt zurückbringen können.
- Kaum ein Jugendlicher wandert gern bei Tag, Nachtwanderungen mit Lagerfeuer und Übernachten in der Natur stehen aber bei den meisten hoch im Kurs.
- Beim Wandern zeigen sich durchaus archaische Verhaltensmuster: Nachts rücken die Mitglieder einer Wandergruppe wesentlich näher zusammen als am Tage und laufen auch in einem deutlich höheren Tempo. In weit auseinander gezogenen Wandergruppen haben die hinten laufenden immer wieder Angst, den Anschluss zu verlieren und verfallen deshalb nach einer Weile häufig in den Laufschritt. Der Wanderführer hingegen geht meistens vorweg, obwohl es zur Steuerung des Geschehens wesentlich sinnvoller wäre, wenn er sich in der Mitte der Gruppe bewegen würde. Wenn Kindergruppen auf Wanderschaft gehen, schlüpfen die Jungen häufig in eine Beschützerrolle und suchen im Wald nach Stöcken mit denen sie dann kämpferisch herumfuchteln. Wenn es auf einen Berggipfel oder das Ende der Wandertour wie etwa ein Gasthaus zugeht, haben es Wanderer in der Regel auf einmal eilig.
- Der Mischwald ist mit Abstand die beliebteste Waldform der Deutschen. Wünschte man früher vor allem einen aufgeräumten und ordentlichen Wald, so wird heute eine gewisse „Wildheit“ durchaus akzeptiert. Am liebsten sehen die Wanderer den Waldboden mit Laub- oder Nadelstreu bedeckt, eine Begrünung durch Gräser, Kräuter und Moose wird auch noch toleriert. Dickichte und strauchartiger Bewuchs werden jedoch abgelehnt. Während bis in die 80er Jahre hinein der reine Nadelwald deutlich mehr Anhänger hatte als der reine Laubwald, hat sich dieses Verhältnis heute komplett umgekehrt.
- Wanderer kann man in mehrere typische Gruppen einteilen: die traditionellen Wanderer, die in Wandervereinen organisiert sind, die Frauen mittleren Alters im ländlichen Raum, die etwas für ihre Fitness tun möchten, die jungen Familien mit kleinen Kindern, die die Natur als kostenfreie und lehrreiche Alternative zu Freizeitparks & Co. zu schätzen wissen, und die „kritisch-alternativen“ Wanderer, die die Nähe zur Natur suchen.
Weitere interessante Studien rund ums Wandern und das Naturerlebnis in Deutschland gibt es auf www.wanderforschung.de sowie auf der Partnerseite www.natursoziologie.de.
Grundlagenuntersuchung zum Wandern erschienen
Im März 2010 veröffentlichte der deutsche Wanderverband zusammen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft die erste nationale Grundlagenuntersuchung zum Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern. Dies sind einige der interessantesten Ergebnisse:
- 39,8 Millionen Deutsche wandern, das ist mindestens jeder zweite Deutsche über 16 Jahren.
- Deutsche Wanderer legen pro Jahr ca. 3,6 Milliarden Kilometer im In- und Ausland zurück.
- Gewandert wird unabhängig von Geschlecht und Alter. Allerdings sind die Älteren regelmäßiger unterwegs: jüngere Wanderer eher ein- bis zweimal jährlich, Wanderer ab 60 mehrmals im Monat.
- Die Unterschiede zwischen Spazierengehen und Wandern sind geringer als gedacht: Wer spazieren geht, ist durchschnittlich 1 Stunde und 22 Minuten unterwegs, wer sagt, dass er wandert, 2 Stunden und 39 min.
- Wanderer fühlen sich nach einer Wanderung zu 90 % „insgesamt besser“, zu 82,7 % „glücklich und zufrieden“, zu 73,8 % „seelisch ausgeglichener“.
- Die aktiven Wanderer geben jährlich über 90 € für Ausrüstung aus, insgesamt betragen die Ausgaben für Wanderausrüstung 3,7 Milliarden €.
- Der wandernde Tagesausflügler gibt vor Ort 16 € pro Tag aus, der übernachtende Wanderer 57 € (zuzüglich An- und Abreise).
- Wandern stellt laut Studie die Freizeitaktivität in Deutschland dar.
- Insgesamt werden im Jahr 370 Millionen Tagesausflüge unternommen,bei denen gewandert wird.
- Weiterhin werden 8,7 Millionen Urlauber gezählt, die mindestens eine Wanderung im Urlaub machen.
- 30,3 Millionen Übernachtungen pro Jahr in Deutschland können dem Bereich Wandern zugeordnet werden.
- 46 % der Wanderer laufen ohne Orientierungshilfe, wie Karte, Kompass oder GPS, und verlassen sich nur auf die Markierung der Wanderwege.
Weitere Infos unter www.wanderverband.de .


